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Pokémon - VGC

Fabian Henning


Einleitung


Jeder kennt sie: Der eine hat früher auf dem Gameboy „Rot“ oder „Blau“ gespielt, während der andere vor allem durch Gamefreaks und Niantics erfolgreichem Smartphone Ableger „Pokémon Go“ erstmals die kleinen Taschenmonster gefangen hat.

Umso weniger wissen, dass es in diesem Genre eine kompetitive Szene gibt – auf den aktuellsten Editionen der Hauptreihe – als rundenbasiertes Strategiespiel und mit speziellen Regeln (2019: Ultrasonne/Ultramond) werden jedes Jahr verschiedenste Turniere auf der ganzen Welt im Rahmen des Play!Pokémon-Programms ausgetragen. Abhängig von der Anzahl an Erfolgen kann man eine Einladung zu den Weltmeisterschaften erhalten, welche jedes Jahr aufs Neue in den USA, am Ende einer Saison*, stattfinden.
Besonders gute Spieler erhalten sogar Stipendien, durch die sie keine Anreisekosten tragen müssen. Ein Teil davon zu sein, ist oft eines der höchsten Ziele der VGC-Spielerschaft, wie sich die Spieler untereinander bezeichnen.
Pokémon VGC steht für Pokémon Video Game Championships

*Saison: Der Zeitraum zwischen Anfang September bis Ende August des darauffolgenden Jahres.

pictures by Steve Richter
written by Fabian Henning

Das Spiel und seine Regeln

Der Modus wird im 1vs1 ausgetragen bzw. einer gegen einen. Auch wenn die Regeln oft von Saison zu Saison verändert werden, ist das Grundgerüst seit vielen Jahren dasselbe.

1. Team-Preview

Jedes Match startet mit dem Picking. In einem Zeitfenster von normalerweise etwa 90 Sekunden sieht man das gegnerische Team, welches aus mindestens 4 bis zu maximal 6 Taschenmonstern besteht. Jedes dieser Tierchen hat im Regelfall 4 Angriffe/Attacken und darf bis zu einem Item halten, das spezielle Boni mit sich bringen kann (beides für Gegner hier nicht sichtbar).
Nun beginnen bei Veteranen bereits Gedankenspiele, denn jede Seite darf nur 4 Pokémon in ein Match mitnehmen. Das heißt, 4 Pokémon müssen im Normalfall 6 gegnerische abdecken. Desweiteren entscheidet man hier bereits mit welchen 2 Pokémon die Partie gestartet werden soll. Zwar ist dieser Teil im Verhältnis zum Match nur sehr kurz, entscheidet aber bereits oft über Sieg oder Niederlage.


2. Austragung

Haben sich beide Teilnehmer innerhalb der Zeit entschieden, beginnt das Match. Wie man bereits aufgrund vorheriger Aussagen erahnen kann, stehen für jeden Spieler 2 Monster auf dem Feld. Das Ziel ist es nun in jeder Runde, in welchen beide Spieler gleichzeitig ihre Züge eingeben, die eigene Position zu verbessern und alle gegnerischen Monster zu beseitigen.
Eine Partie endet, sobald eine Seite keine Monster oder keine Zeit mehr hat. Man darf nicht vergessen, dass man gegen einen Spieler und nicht einen NPC spielt, dementsprechend kommt es immer wieder zu Voraussagen, sog. Predictions, um dem Gegner einen Schritt voraus zu sein.

Seit 2016 werden auf großen Turnieren und auch auf den kleineren Best of 3s gespielt. So reicht es nicht, nur einen Sieg zu erringen, erst mit dem Gewinnen des 2. Spiels einer Seite ist das „Set“ beendet. Dadurch bekommt das Ganze eine weitere strategische Tiefe und wird zu einem Kampf um Informationen.

3. Saisonabhängige Regeln

Jedes Jahr gibt es regelmäßige Abänderungen der Regeln, mit welchen immer wieder aufs Neue für Abwechslung und frischen Wind in dem Modus gesorgt wird. Im Normalfall gehören zu diesen nur die Festlegung der Länge des Timers, aber auch Einschränkungen in der Auswahl an Pokémon oder Items, die verwendet werden dürfen. 2018/19 gibt es beispielsweise 3 Regelsets die von September bis Dezember, Januar bis Anfang April und April bis August gelten. Während dieses Jahr die Möglichkeiten an Pokémon gleich bleiben, gibt es in jedem Abschnitt andere Item-Regelungen. Das hat Auswirkungen auf das, was Zuschauer von Turnieren nicht sehen können: auf die Vorbereitung.

Der Teambau

Wie das Bauen eines Hauses auf stabilem Boden notwendig und unausweichlich ist – kann ohne ein gutes Team ein Spieler nur selten erfolgreich sein. Zusammengestellt werden diese oft auf Basis unterschiedlichster Hauptstrategien wie dem Ausnutzen von diversen Feld- und Wettereffekten, dem Typing der Pokémon als auch der Coverage untereinander oder ihren Fähigkeiten. Im Blick wird dabei immer das derzeitige Metagame behalten - was gerade häufig gespielt wird.
Bei der Gestaltung der Sets einzelner Pokémon gibt es viele Facetten, die beachtet werden können. Zunächst sei gesagt, dass jedes Taschenmonster individuelle Basis-Statuswerte hat. Das heißt, dass die Werte bestehend aus Kraftpunkten, Angriff, Verteidigung, Spezial-Angriff, Spezial-Verteidigung und Initiative unterschiedlich hoch festgelegt sind. Dementsprechend haben bestimmte Pokémon eine gewisse Tendenz physisch gespielt zu werden, da sie einen besonders hohen Angriffswert aufweisen.

Wie der Name schon sagt, sind sie die Basis und folglich vom Spieler selbst nicht abänderbar. Anders sieht das mit Wesen, die prozentual einen Wert steigern und dafür einen anderen Wert senken können, DV s und EV s aus. Hierbei handelt es sich um essenzielle Bonuspunkte. Determinant Values werden wie Gene von Pokémon zu Pokémon während der Zucht weitervererbt, wobei diese Vererbung beeinflusst werden kann. Hier sind auf jedem Wert 31 DVs möglich – 2DVs entsprechen auf Lvl 50, auf welchem die Pokémon während der Turniere hoch- oder herabgesetzt werden, einem Statuspunkt.
Effor values funktionieren etwas anders. Sie werden immer dann verteilt, wenn das Pokémon Erfahrungspunkte erhält und gehen abhängig von dem besiegten Pokémon in einen festgelegten Wert. 8 EVs entsprechen auf Lvl 50 einem Statuspunkt. Es können jedoch nur maximal 510, auf einem Wert maximal 252 EVs verteilt werden.

Weniger komplex, aber umso wichtiger sind die vier Attacken und das Item, das man seinem Pokémon gibt. Von den tausenden unterschiedlichen Angriffen kann ein Monster nicht alle lernen. Der sogenannte Movepool variiert in Größe und Effizienz von Pokémon zu Pokémon. Während das eine tatsächlich jede Attacke lernen kann, hat das andere Monster nur Zugriff auf insgesamt 44 Attacken, wobei nur 8 bis 9 tatsächlich sinnvoll anwendbar sind.

RNG - Das zweischneidige Schwert

Attacken können Neben- oder Haupteffekte haben, die glücksbasiert eintreten. So verbrennt der Angriff “Siedewasser” in 3 von 10 Fällen das angegriffene Pokémon, sofern keine besonderen schützenden Fähigkeiten oder Effekte im Spiel aktiv sind. Neben Attacken können auch bestimmte Items und Abilities das Losrad ankurbeln.

Der Zufallsgenerator, der RNG, bringt dem einen Freud dem anderen Leid. Im Normalfall trifft es jeden Spieler relativ ausgeglichen sowohl negativ als auch positiv, dennoch lässt dieser Glücksfaktor manche Spieler verzweifeln, sie fühlen sich dem RNG ausgeliefert. Im Endeffekt ist das ganze jedoch sehr viel kontrollierbarer als es anfänglich scheint. Wie ein erfolgreicher Spieler treffend gesagt hat, kann dich niemand “weghaxen”, wenn er nicht angreifen kann. Das umzusetzen ist zwar nahezu unmöglich, aber die Annäherung ist das Entscheidende und erklärt auch die Beliebtheit von Angriffen wie Mogelhieb, Schutzschild oder Zugabe, die auf ihre eigene Art und Weise der Idee des sicheren Spielens folgen. Aber auch die Tendenz bezüglich Genauigkeit > Stärke sind damit zu erklären. Alle Faktoren beseitigen, das kann man am Ende nicht und es wird immer wieder Matches geben, in denen das entscheidend sein kann, aber meistens hätte man selbst etwas besser machen können. Das zu erfassen ist der wichtigste Schritt um ein konsistenter Spieler zu werden oder gar „To be the very best like no one ever was...“.

Wenn das jetzt zu viele Informationen auf einen Schlag waren, kannst du an einem unserer wöchentlichen AG Treffen vorbei schauen und das ganze sehr viel praxisnaher erleben.

Allgemeines

Um bei uns/während unseren AG-Treffen Pokémon VGC spielen zu können, benötigst du eine Konsole der Nintendo 3DS Familie, eine Version von Pokémon UltraSonne oder UltraMond als Download/Cartridge und ein Team, das den aktuellen VGC Regeln entspricht.
Anfänger/Interessierte müssen sich hiervon nicht abschrecken lassen: Vor Ort könnt ihr ausprobieren und euch briefen lassen.

Fabian Henning

Name: Fabian Henning aka Mr.PBF
Alter: 17
Meine Aufgabenbereiche: Meine Wenigkeit ist derzeit für den Aufbau einer Pkmn/VGC-Community in der AG zuständig.
Insofern es meine Zeit zulässt und die Notwendigkeit besteht greife ich gerne auch anderen ein wenig unter die Arme.
Persönliches/Tipps: „Kein Meister ist je vom Himmel gefallen“
„Wer kämpft, der kann verlieren, wer aufgibt, hat bereits verloren.“
„PBF and Ira“
Weitere Hobbies: Neben dem Haupthobby „Schüler-sein“ bin ich kompetitiver Pokémon Spieler und Turnierteilnehmer, aber zu der einen oder anderen Partie Basketball sage ich auch nicht nein. Ansonsten bin ich verdammt gut darin, eigene Knochen zu brechen und Gitarrenseiten zu zerreißen.
Wo sehe ich die AG? Als Möglichkeit um eSports „Casuals“ und Nicht-Gamern näher zu bringen, zu verbreiten, aber auch um oft einsame Wölfe mal zusammen zu bringen.
Foto Fabian Henning